Äthiopien
Das Land
Äthiopien besteht im großen aus zwei hoch gelegenen Tafelländern, die durch einen Teil des Ostafrikanischen Grabens getrennt werden. Mehrere Seen nehmen die schmale und höher gelegene Grabensohle im südwestlichen Abschnitt ein. Im Nordosten öffnet sich der Graben
trichterförmig zum Roten Meer und liegt im Danakiltiefland teilweise unter dem Meeresspiegel (-125 m). Die beiden Tafelländer sind großenteils aus waagerecht lagernden vulkanischen Gesteinen, wechselnd Lava und Tuffe, aufgebaut, in die die Täler tief und steil eingeschnitten sind und zahlreiche, zum Teil bizarr geformte Tafelberge, sog. Ambas, abgeteilt haben. über den weit gespannten Hochflächen erheben sich einzelne Massive zu mehr als 4000 m Höhe: im westlichen Hochland von Äthiopien Ras Daschan (in der Landschaft Semyen) 4620 m, Guge 4200 m, Tschoke 4154 m; im östlichen Plateau in der Nähe des Grabenrands: Batu 4350 m, Kakka 4220 m, Baddaa 4133 m. In der Landschaft Ogaden senken sich die weiten Flächen der Somalitafel langsam zum Indischen Ozean.
Klima und Vegetation
Es lassen sich zwei Hauptregionen unterscheiden: das vom Atbara und Blauen Nil entwässerte Hochland mit reichlichen Niederschlägen (bis 2000 mm/Jahr) und verhältnismäßiig niedrigen Temperaturen (Nachtfröste) und die Tiefländer mit geringen Niederschlägen und langen Trockenzeiten bei hohen Temperaturen. Dementsprechend reicht die Vegetation in den Tiefländern von laubabwerfenden Trockenwäldern über Trocken- und Dornsavannen bis zu Halbwüsten und echten Wüsten mit Salzaus-blühungen, die sich in Teilen des Danakiltieflands finden. Das natürliche Pflanzenkleid der Hochländer ist fast überall eine Waldvegetation: immergrüne Regenwälder im Südwesten, immergrüne Trockenwälder in den zentralen, nördlichen und östlichen Hochländern. In den klimatisch günstigsten und dicht besiedelten Gegenden sind die Wälder durch Weide- und Ackerland ersetzt.
Die Bevölkerung
Der Staatsreligion der äthiopischen Kirche hängt gut 40% der Bevolkerung an, rund 45% sind Moslems: Somal, Afar und ebenfalls Teile der Galla. Anhänger von Naturreligionen gibt es im äußersten Südwesten, und am Tanasee wohnt die kleine Gruppe der Falascha (sog. Schwarze Juden). Die herrschende Schicht und 35% der Bewohner stellen die semitischen Amharen, deren Sprache Staatssprache ist, und Tigre; 26% sind hamitische Galla, der Rest Danakil, Somal und Schwarze. Nur etwa 13% der Bevölkerung leben in den Städten. Die Tigre und die Amharen besiedeln die Hochländer, wo sie Ackerbau mit Pflugkultur und Viehwirtschaft betreiben. Ein Teil der Galla hat den Pflug von ihnen übernommen und ist sesshaft, andere sind wie die meisten Somal und Danakil reine Hirtennomaden. Insgesamt werden 70 Sprachen gezählt. Staatssprache ist das Amharische; Englisch, Französisch, Arabisch und Italienisch werden als Bildungssprachen gebraucht.
Die Wirtschaft
80% der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, die auch für afrikanische Verhältnisse noch rückständig ist. Es wird überwiegend für den eigenen Verbrauch erzeugt, und zwar im Ackerbau vor allem Getreide: Teff (eine Hirseart), Gerste, Weizen, Mohrenhirse und Mais, ferner Ensete-Bananen, Hülsenfrüchte, Ölsaaten und spanischer Pfeffer. In größerem Maß werden für den Inlandsbedarf auch Baumwolle, Tabak und Wein angebaut. Exportiert werden etwas Zucker und vor allem Kaffee, der zum größten Teil von den wild wachsenden Sträuchern in den Wäldern des Süd-westens gewonnen wird und 64% des Gesamtexports ausmacht. Mehrere Dürre-perioden führten zu einem Rückgang des Viehbestandes und zu Hungerkatastrophen. Anfang der 1970er Jahre verhungerten über 250 000 Menschen; 1991 waren rund 7 Mio. Menschen vom Hungertod bedroht. Der Bergbau - es gibt Platin, Gold, Kupfer, Eisen, Braun- und Steinkohle, die in geringen Mengen gewonnen werden - steckt ebenso in den Anfängen wie die Industrie, die sich auf Nahrungsmittel-, Textil-, Baustoff-, Eisen- und Stahlindustrie konzentriert. Hauptlieferant für elektrische Energie ist das Wasserkraftwerk am Koka-Staudamm.